Editorial von Thomas Jeising im neuen Heft 1/26 von Bibel und Gemeinde

Wir beobachten überall, wie sich ethische Werte schnell verändern. Bei der Ethik geht es um das, was gut oder böse ist: Mord ist schlecht, Leben retten ist gut. Lügen ist schlecht, die Wahrheit sagen ist gut. Aus den ethischen Werten leiten wir dann unser moralisches Handeln ab. 

Man hielt es früher für moralisch gut, wenn ein Mensch an als gut erkannten Werten festhielt. Er war dann „prinzipientreu“. Wer die Dinge dagegen heute so und morgen anders beurteilte, war „wetterwendisch“. Oder er „hängte sein Mäntelchen in den Wind“, weil er sich anpasste, wenn sich Gut und Böse zu ändern schien. Das gilt heute als gut: der anpassungsfähige Mensch, der jede „Transformation“ mitmacht. Das andere nennt man „fundamentalistisch“. 

Nach der „wissenschaftlichen“ Definition glaubt ein „Fundamentalist“, dass nur ein Weg zu Gott führt und man am besten das ganze Leben nach Gottes Ordnungen ausrichtet. Es ist nicht nur die Welt des Unglaubens, die Böses gut und Gutes böse nennt. Da ist man höchstens über manche Absurdität erschreckt. Es stellt sich aber die Frage, wie es dazu kommt. 

Ein Mechanismus ist offensichtlich die „normative Kraft des Faktischen“. Ist etwas im allgemeinen Verhalten weit verbreitet, wird es „normal“ und scheint Vielen richtig zu sein. Das wird begleitet davon, dass kaum jemand etwas dagegen sagt: Was allgemein akzeptiert wird, muss wohl gut sein. Und dann hört man sogar Christen so argumentieren, dass sich das Verständnis verändert hätte und deswegen auch die Ethik

angepasst werden müsste. Was Licht war, soll jetzt Finsternis sein; was sauer war, wird nun als süß definiert (Jes 5,20). So hat sich übrigens auch die Wertschätzung für die Bibel verändert. Sie gilt vielen Christen heute nur noch als eins der „heiligen Bücher“. Dabei unterscheidet sie sich in ihrer Qualität und ihrem Inhalt himmelweit vom Koran oder der Bhagavad Gita. Nur sie ist Gottes Wort und kann deswegen auch nicht einfach mit irgendwelchen antiken Schriften auf eine Stufe gestellt werden. 

Man kann das schon tun, und es geschieht auch. Aber es ist falsch. Das Wort Gottes hoch zu schätzen, ist Teil christlicher Ethik. Denn wer es verachtet, der verachtet auch Jesus Christus (Joh 12,48). Paulus sieht den Zusammenhang für andere Teile der Ethik: Wer die Gebote der Bibel zu einem geheiligten Leben verachtet, der verachtet Gott (1Thess 4,8). 

Unsere Alternative kann nur sein, dass wir gehorsam sein wollen. Wo wir aber fallen, bekennen wir es als Schuld und leben von der Vergebung durch Christus. Aber wir dürfen nicht aufhören, die Weisheit und Schönheit dessen zu verkünden, was wir in Gottes Wort lesen. Es ist nicht die Bibel, die uns den Weg zu einem guten Leben versperrt. 

Anpassungsfähig sollten wir da sein, wo wir nach offenen Türen für das Evangelium suchen, um Menschen die Wahrheit Gottes nahezubringen. Aber keinesfalls dürfen wir diese Wahrheit anpassen wollen, denn „wir verfälschen nicht das Wort Gottes, sondern durch die Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott“ (2Kor 4,2).